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Wie Europas Künstler und Wissenschaftler den Nazis entkamen
Die Flucht der Dichter und Denker

Hardcover

220 Seiten; mit s/w Abbildungen; 222 mm x 159 mm

2017 Ueberreuter Sachbuch

ISBN 978-3-8000-7680-2

€ 22,95 (incl. MWSt.)
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Langtext
Deutschlands und Österreichs Wissenschaftler, Künstler und Intellektuelle entkamen den Nationalsozialisten auf oft abenteuerlichen Wegen. Eine Flüchtlingsgeschichte mit vielen Parallelen zu heute - die Betroffenen kommen allerdings nicht aus Syrien und Afghanistan. Sie waren Nobelpreisträger, Universitätslehrer, weltberühmte Schriftsteller und gefeierte Dirigenten, Juden und Christen, Politiker und Zeitungsredakteure, die ein gemeinsames Schicksal einte: Die Nationalsozialisten wollten sie ermorden. Unter den Flüchtlingen: Sigmund Freud, Stefan Zweig, Joseph Roth, Thomas, Heinrich, Golo und Erika Mann, Franz Werfel und seine Frau Alma Mahler-Werfel. Alfred Polgar, Hermann Leopoldi, Ödön von Horvath, Anna Seghers, Robert Stolz, Friedrich Torberg, Karl Farkas, Billy Wilder, u.v.m.

neuer Blick auf bekannte Biographien 10. Oktober 2017
"Wie Europas Künstler und Wissenschaftler den Nazis entkamen" ?
hat der Journalist und langjährige Chefredakteur des profil , Herbert Lackner, aus einem neuen Blickwinkel aufgezeichnet .
Mitglieder der Familie Mann, Franz Werfel und seine Frau Alma, Karl Farkas, Lion und Martha Feuchtwanger und viele andere, die vor der Herrschaft der Nationalsozialisten geflohen sind, waren prominent, ihre Biographien und Fluchtgeschichten sind weitgehend bekannt.
Neu ist, dass Herbert Lackner diese linear erzählten Schicksale gleichsam bündelt und "horizontale" Zeitlinien einzieht, an denen sich die Wege der Flüchtlinge immer wieder kreuzen- von Paris oder London weiter nach Südfrankreich und Lissabon, ständig auf der Suche nach nötigen Papieren, nach einer Möglichkeit den Lebensunterhalt zu bestreiten, nach einem Weg schließlich in ein freies Land, sei es Amerika, Brasilien, Mexiko oder auch die Schweiz.
Wo man unterwegs Aufnahme findet, spricht sich unter Flüchtlingen schnell herum. Im französischen Montauban etwa, hier kreuzen sich 1940 die Wege prominenter Sozialdemokraten mit Schriftstellern wie Alfred Polgar, der Philosophin Hannah Arendt oder Friderike Zweig-Winternitz, der geschiedenen Frau von Stefan Zweig. Die Familie Cohn-Bendit aus Berlin kann sich in Montauban verstecken, 1945 kommt ihr Sohn Daniel hier zur Welt, 1968 in Paris und später bei den deutschen Grünen eine wichtige Leitfigur.
Besonders beschwerlich und ungewöhnlich ist der Weg über die Pyrenäen, den ausgerechnet der 70 jährige Heinrich Mann mit seiner Frau Nelly und dem Neffen Golo, der kranke und übergewichtige Franz Werfel und seine Frau Alma, unpassend gekleidet in Sandalen und weißem Kleid, gehen müssen. Die zwölf Koffer, sieben davon gehören den Werfels, nimmt Varian Fry, der amerikanische Fluchthelfer, den Stefan Zweig engagiert hat, im Zug durch den Grenztunnel mit- einen Schlepper würde man ihn heute nennen.
Schicksale und Wege der Flüchtlinge sind ähnlich, aber Solidarität entsteht dadurch nicht zwingend, und mit offenen Armen werden sie kaum wo aufgenommen. Auch Vorurteile und Abneigungen schwinden nicht, nur weil man fern der Heimat ist. Karl Farkas wirft man vor, dass er auch in der Emigration bald wieder Kabarett macht, aber was soll er sonst tun um Geld zu verdienen?
Weitgehend unbeliebt scheint die dominante Alma Mahler ?Werfel, aber sie ist immerhin eine von wenigen Frauen, die immer als selbstständige Person und nicht nur als "die Frau von" wahrgenommen wird.
Lebenslinien in schweren Zeiten- gegenübergestellt und auf Gemeinsamkeiten akribisch untersucht von Herbert Lackner, der damit auch Verbindungen aufzeigt, die so noch nicht allgemein bekannt sind.
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alice