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Rezensionen

Marco Balzano
39 Rezensionen

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Wer kennt ihn nicht, den berühmten See mit dem Kirchturm in der Mitte! 10. August 2020
Jeder kennt den berühmten Reschensee mit seinem Kirchturm im Wasser. In diesem Buch lesen wir von den Menschen, die diesen Ort bewohnten und verzweifelt versuchten ein gutes Leben zu führen.

Marco Bolzano gibt ihnen Gesichter und eine Geschichte, die genau so hätte passieren können: Trina ist in diesem idyllischen Bergdorf aufgewachsen und träumt davon Lehrerin zu werden. Doch nach abgeschlossener Ausbildung übernehmen die Faschisten die Macht in Italien und als deutschsprachige Südtirolerin darf sie nicht unterrichten. Zwischen 1939 und 1943 sollten alle nach Deutschland auswandern. Diejenigen, die bleiben, werden zu Bürgern zweiter Klasse. Ihre Sprache wird verboten.

Beherzt beginnt Trina im Untergrund zu unterrichten, bis ihr Mann Erich für die Italiener an die Front muss und sie sich um den Hof kümmern muss.

Als die Nationalsozialisten Südtirol übernehmen, geht es für die Deutschstämmigen wieder etwas bergauf. Dennoch sind Repressalien zu fürchten, denn immerhin wollten die Dagebliebenen in der ersten Welle nicht heim ins Reich. Trinas Sohn Michael meldet sich freiwillig, aber Erich will auf keinen Fall ein zweites Mal in den Krieg. Es bleibt nur die Flucht.

Überschattet wird das Ganze noch von diesem irrwitzigen Kraftwerksbau. Der größte Staudamm Mitteleuropas soll gebaut werden und der wird Reschen und Graun verschlucken.

Für die Menschen in diesen Bergdörfern ist das Elend auch nach dem Krieg nicht vor bei. Ihre hart umkämpfte Heimat ist immer noch bedroht und was sie auch versuchen, sie finden kaum Unterstützung.

Wie es ausgeht, wissen wir ja alle. Dieses Buch bringt uns dazu, über die Menschen, die in dieser Kirche gebetet haben und in diesen Dörfern geschlafen, gearbeitet und geliebt haben, nachzudenken. Sie hatten es nicht einfach in ihren Leben. Ihre Arbeit war hart, ihre Zeit brutal und dennoch sind ihre Geschichten voller Hoffnung und Lebensmut.

Marco Bolzano hat ein schönes Porträt gezeichnet von dieser widerstandsfähigen Gemeinschaft der Dagebliebenen. Ich habe diese Geschichte sehr gerne gelesen, fand sie ungemein interessant und war stark berührt von der Grausamkeit der Geschichte. Äußerst lesenswert!
Die Auslöschung der Heimat 27. Juli 2020
"Niemand kann verstehen, was sich unter den Dingen verbirgt. Niemand hat Zeit, stehen zu bleiben und um das zu trauern, was gewesen ist, als wir nicht da waren. Vorwärts gehen, wie Mutter zu sagen pflegte, das ist die einzige Richtung, die erlaubt ist."

Trina wächst in einem idyllischen Bergdorf in Südtirol auf, nahe der Grenze zu Österreich und der Schweiz. Doch die Zeiten sind hart und werden noch härter, als die Faschisten in Italien die Macht ergreifen und die deutschsprachige Minderheit in Südtirol vor die Wahl gestellt wird: Entweder nach Nazideutschland auswandern, oder als Bürger zweiter Klasse in Italien bleiben. Trina entscheidet sich zu bleiben. Und auch Jahre später, als ein Energiekonzern entscheidet, für einen Stausee Dörfer und Felder zu überfluten, bleibt sie - und kämpft für den Erhalt ihrer Heimat.

Balzano hat sich mit Südtirol an eine Problemregion im Herzen Europas herangewagt. Grenzgebiete liefern immer viel Stoff für Geschichte(n), denn die Bevölkerung ist meistens durchmischt oder entspricht nicht der "Standardethnie" der Nation, zu der das Gebiet gehört. Im Falle Südtirols kommt erschwerend hinzu, dass es eigentlich zu Österreich gehörte und zum Zeitpunkt der Geschichte erst seit Kurzem an Italien angegliedert ist, Die Südtiroler sprechen kein Italienisch, die Italiener und v.a. die Faschisten betrachten sie als Bürger zweiter Klasse. Der Konflikt ist vorprogrammiert. Aber wie hart die Faschisten vorgingen, das war mir nicht bekannt. Deutsch sprechen und unterrichten wurde verboten, von heute auf morgen. Deutschsprachige Lehrerinnen fanden keine Anstellung, deutschsprachige Angestellte und Beamte wurden gefeuert. Es fand eine regelrechte Italianisierung statt. Die Dynamiken und Strömungen in der Bevölkerung schildert Balzano mit viel Einfühlungsvermögen, und er erklärt sehr anschaulich, wie es zu den vielen unterschiedlichen Meinungen und den scheinbar widersprüchlichen Haltungen und Anfeindungen kommen konnte. Er macht klar: Der Faschismus ist ein Krebsgeschwür, das jede intakte Gesellschaft zu zerstören vermag.

Das Leben unter solchen Bedingungen, in einer eh schon abgeschiedenen Bergregion, ist natürlich besonders hart. Doch Trina ist eine wahrhaft starke Heldin. Durch all die schweren Zeiten bewegt sie sich mit erstaunlicher Gelassenheit, und das Einzige, das ihr wirklich etwas anhaben kann, ist das urplötzliche Verschwinden ihrer Tochter. Dieses bedingt auch die ungewöhnliche Erzählform des Romans: Trina schreibt eine Art langen Brief an ihre Tochter Marica, die sie immer wieder mit "Du" anspricht. Das verleiht der Geschichte eine tiefere Ebene, die man schnell übersehen kann.

Gleichzeitig ermöglicht diese Art des Erzählens Trina eine relativ starke Distanzierung von den Geschehnissen. Zwar ist der Roman durchaus berührend, aber nie herzduselig oder -schmerzig. Obwohl so viel Tragisches passiert, lässt Trina die Leserin nie allein mit der Verwirrung und den Schmerzen, sondern nimmt sie behutsam an die Hand und führt sie durch diese harten Lebensabschnitte.

Am Ende steht dann natürlich noch der Bau des Staudamms, der das Dorf schon seit Erzählbeginn bedroht wie ein Damoklesschwert. Hier gelingt es dem Autor sehr gut, die Ignoranz und blinde Gottesfürchtigkeit (und die damit verknüpfte Handlungsunfähigkeit) darzustellen, mit der die Bewohner dem Bauunternehmen begegnen (verkörpert durch den Mann mit Hut). Der Schmerz von Trinas Ehemann Erich wird erlebbar, und nach und nach bekommt man ein Gefühl dafür, was es bedeutet, wenn die eigene Heimat überflutet wird - es ist nicht einfach nur ein Abriss, nicht einfach nur ein Wegzug, es ist die endgültige materielle Auslöschung der eigenen Vergangenheit. Dennoch gelingt es Bolzano im letzten Abschnitt des Buches nicht vollständig, mich abzuholen, da die Geschehnisse fast wie im Zeitraffer erzählt werden, während z.B. die Flucht vor den Deutschen äußerst ausführlich geschildert wird. Aber vielleicht kennzeichnet ja gerade das den furchtbaren Verlust, den Trina und Erich erleiden: Dass Trina kaum darüber schreiben kann, dass sie es schnell hinter sich bringen will.

Balzano gelingt es in seinem neuesten Buch, auf großartige Weise historische Fakten mit einer fiktiven, aber dennoch authentischen Individualgeschichte zu verknüpfen. Genauso könnte es gewesen sein in Graun, dessen Name schon für sich spricht, egal wie idyllisch die Landschaft auch sein mag.
Konnte mich leider nicht 100% fesseln 15. Juli 2020
„Ich bleibe hier“ ist ein Roman des italienischen Autors Marco Balzano und befasst sich mit den Ereignissen in einem Dorf in Südtirol, während der Zeit des Nationalsozialismus.
Die Handlung selbst ist dabei in drei Abschnitte unterteilt und wird zwar in Form eines zusammenhängenden Erzählstranges erzählt, ist aber eigentlich ein sehr, sehr langer Monolog oder Brief an die Tochter der Erzählerin.
Dabei besteht mir der Roman persönlich aus zu vielen Beschreibungen vom Gefühlsleben von Trina (der Erzählerin). Es ist nicht so, als wären die Emotionen nicht thematisiert worden, nur wurden sie eher beschrieben als durch die Handlungen der Charaktere wirklich gezeigt. Die Geschichte selbst ist traurig und bedrückend, denn im Kern geht es um die Auswirkungen des Faschismus und des Nationalsozialismus auf das Leben der Menschen in Trinas Heimatdorf und der Umgebung.
Das Buch las sich sehr schnell, aber für mich waren die historischen Hintergrundfakten interessanter als die tatsächlichen Charaktere, die der Autor entworfen hat.
Leider war die Geschichte nicht so fesselnd wie erhofft, die Charaktere zum Teil sehr oberflächlich und in Form von Stereotypen entworfen, die eher eindimensional daherkamen. Irgendwie hatte ich eine andere Erwartung an die Geschichte und war von der tatsächlichen Umsetzung dann enttäuscht. Trotzdem komme ich insgesamt noch auf 3 Sterne.
Sehr intensiv 05. Juli 2020
Das Zitat von Aemando Besio hinten unter dem Klappentext beschreibt das Buch eigentlich schon komplett: "Marco Balzano verbindet historische Genauigkeit mit Emotionen".

Das Buch beginnt schon sehr intensiv, indem Trina in der zweiten Person über ihre Tochter schreibt. Einerseits distanziert und emotionslos und gleichzeitig hochemotional. Und in dieser Art, eigentlich einer absurden Mischung, geht das Buch weiter.
Die Zeit in der das Buch spielt reicht vom Ersten Weltkrieg bis zur Machtergreifung Mussolinis. (Eine Zeit die mich als Geschichtsstudentin natürlich sehr interessiert ;) )
Auch wenn unsere Geschichte natürlich fiktiv ist, fand ich sie sehr autentisch geschildert und könnte historisch so stadt finden (soweit ich das beurteilen kann).
Der Schreibstil von Balzano ist sehr angenehm zu lesen und wie bereits gennant schwingt er zwischen Nüchternheit und Hochemotionalität.

Insgesamt wirklich ein sehr gutes Buch, was mir sicher lange Zeit im Gedächtinis bleiben wird.
Mehr als ein kurioses Fotomotiv 29. Juni 2020
Mitten aus dem Reschensee ragt ein Kirchturm – heute ein Wahrzeichen und vor allem ein kurioses Fotomotiv.

Marco Balzano erzählt die Geschichte die dahinter steckt, indem er die Geschichte von Trina und ihrer Familie erzählt: sie erleben erst den italienischen Faschismus und dann anschließend sofort den Nationalsozialismus. Auch in Südtirol dunkle Zeiten, die Widerstand erfordern.

Später dann will ein Energiekonzern mit der Anlage eines Stausees die Ortschaften Graun und Reschen überfluten und wieder müssen sie sich die Menschen im Vinschgau wehren. Trotz aller Gegenwehr wird das Staudammprojekt realisiert und damit verlieren viele Familien ihre Heimat.

Balzano versteht es hervorragend, die Emotionen und Gedanken seiner Protagonisten zu beschreiben und die zahlreichen Tragödien aus der Perspektive einzelner Menschen darzustellen, ihren Überlebenskampf zwischen gnadenlosen politischen und wirtschaftlichen Interessen.
Er erzählt eine berührende Geschichte über Heimatgefühl und Entwurzelung, über Leid, Verlust, aber auch über Mut, Kampf und Widerstandsgeist.

Ein wunderbares Buch, das den Blick auf den Kirchturm im Reschensee auf immer verändert.
Beeindruckende Sprache! 29. Juni 2020
Eine zutiefst bewegende Geschichte, die erzählt wie Trina, eine Lehrerin aus Graun im südtirolischen Vinschgau, mit ihrer Familie ums Überleben kämpft, als ihnen mitgeteilt wird, dass ihr Tal geflutet wird. Obwohl sie deutschsprachig waren, wurde es ihnen in Italienisch mitgeteilt. Natürlich protestieren und kämpfen sie mit allen Mitteln, am Ende bleibt ihnen nur die Flucht in die Berge. Auch dort erleben sie Mord und Totschlag. Als sie irgendwann zurückkehren ist ihr Haus zerstört, eine Hozbaracke ist ihr neues zu Hause und sie bleiben hier.
Marco Bolzano ist es mit seiner unglaublich beeindruckenden Sprache gelungen, die Geschichte dieses Tales und seiner Bewohner so zu erzählen, dass sie unvergesslich bleibt.
Südtiroler Tragödie 29. Juni 2020
von begine

Der italienische Schriftsteller Marco Balzano erzählt in seinem Roman „Ich bleibe hier“ von Familien aus einem Dorf in Südtirol. Die Einwohner sprechen deutsch und fühlen sich nach Österreich zugehörig.
Ab 1939 können sie nach Deutschland ziehen. Die dagebliebenen Familien werden mal von den Faschisten, dann von den Nazis drangsaliert.
Daneben kämpfen sie noch gegen den Bau eines Stausees.

Die Protagonistin Trina erzählt die Geschichte des Dorfes. Sie ist Lehrerin, mal darf sie nicht arbeiten, weil die einen es verbieten, dann wieder die anderen. Weil sie italienisch sprechen kann, muss sie immer übersetzen.

Der Autor schreibt mit einfühlsamer Sprache.
So lässt er uns den Kampf gegen den Stausee genau mitverfolgen.
Der Roman ist einfach großartig.


Das Schicksal Südtirols 25. Juni 2020
Das Schicksal Südtirols

Ich habe schon einige Romane über das Schicksal Südtirols und seiner Bewohner in und nach dem 2. Weltkrieg gelesen. Doch dieses entscheidende Kapitel der Region ist vielen nicht bekannt; daher ist Marco Balzanos historischer Roman "Ich bleibe hier" umso wichtiger.

Dabei sind seine Figuren fiktiv, aber der Lauf der Geschichte und das Schicksal der Menschen ist ja historisch, die Versprechungen auf ein besseres Leben im Osten, die Umsiedelung, das Misstrauen der Dagebliebenen und der heimliche Deutschunterricht, der ein Stück Identität der Südtiroler sicherte und doch für die Lehrerinnen so gefährlich war.

Trina hat große Ziele und Träume, bevor die Südtiroler gezwungen werden, entweder auszuwandern oder ihre Identität komplett abzulegen. Ein Stauseeprojekt bringt das ganze Dorf in Gefahr, und was daraus wird, zeigt ja nicht nur das Coverfoto des Romans.

Der Schreibstil ist eher neutral und sachlich, so dass ich noch in der Mitte des Buches dachte, dass noch kaum etwas passiert ist, aber das stimmt natürlich nicht. Es passieren ja schlimme Dinge, aber man kann relativ emotionslos lesen. Ist dies der Schreibstil des Autors, oder soll er gar die Mentalität der Südtiroler widerspiegeln?

Insgesamt ist "Ich bleibe hier" ein wichtiger Roman, der wieder einmal den Focus auf das Schicksal der Südtiroler lenkt. Daran wird man denken, wenn man wieder einmal Urlaub in Südtirol macht.
Eine unbedingte Leseempfehlung! 24. Juni 2020
Dieser Roman behandelt gleich mehrere schwierige Kapitel in der neueren Geschichte Südtirols: Die Verdrängung der deutschen Sprache durch die Faschisten Mussolinis, die Option nach Nazi-Deutschland auszuwandern sowie die Zwangsräumung mehrerer Orte zu Gunsten des riesigen Stausees, dem Reschensee. Vielen von uns Lesern ist das beeindruckende Foto des aus dem Reschensee ragenden Kirchtums von Alt-Graun ein Begriff.

Erzählt wird die Geschichte aus Sicht der jungen Trina, die in der Zeit nach dem Großen Krieg, wie man den Ersten Weltkrieg damals nannte, Lehrerin in der kleinen Südtiroler Gemeinde Graun wird. Doch mit der Machtergreifung von Mussolini und seinen Faschisten, wird die deutsche Sprache verboten, die deutschen Namen und Bezeichnungen durch italienische ersetzt. Als immer mehr regimetreue Italiener aus allen Teilen Italiens im deutschsprachigen Südtirol angesiedelt werden, unterrichtet Trina in den sogenannten Katakombenschulen heimlich deutsch. Doch als ihre Freundin erwischt und deportiert wird, hält sie sich bedeckt.
Trina ist inzwischen mit Erich verheiratet, und Mutter eines Sohnes und einer Tochter Marcia.

Dann kommt das verlockend Angebot Nazi-Deutschlands, alle „Deutschen heim ins Reich zu holen“. Diese Option teilt das Dorf Graun in zwei Welten: die Dableiber und die Optanten, die in Deutschland das versprochene „Land, in dem Milch und Honig fließt, sehen.
Erich und Trina bleiben und werden wenig später zu Flüchtlingen, da Erich desertiert ist. Der Sohn ist ein begeisterter Anhänger Hitlers und Marcia, verschwindet ohne ein Wort des Abschieds mit ihrer Tante und dem Onkel nach Innsbruck.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges kehren einige der Optanten enttäuscht zurück. Nichts ist mehr so, wie zuvor. Die einzige Konstante ist die Bedrohung Grauns durch den Bau den Reschenstaudamms, der seit Jahrzehnten wie das Damolkesschwert über dem Tal schwebt.

Trina und einige ander Dorfbewohner leisten sowohl passiven als auch aktiven Widerstand gegen das Bauvorhaben. Doch alles vergebens. Der Staudamm wird im Namen des Fortschritts gebaut und die Orte Graun sowie Reschen den Fluten preisgegeben. Mahnendes Denkmal bleibt der Kirchturm von Graun, der aus dem Wasser ragt.

Meine Meinung:

Das Buch ist in drei große Kapitel geteilt.

„Die Jahre“
„Auf der Flucht“
„Das Wasser“

Durch die schnörkellose Sprache in der Autor Marco Balzano seine Trina erzählen lässt, ist der Leser mitten drinnen im Geschehen und kann die leidvolle Geschichte der Vinschgauer miterleben, die mehrmals alles verloren haben. Die Sprache, die Identität, ihr Einkommen und letzten Endes ihre Häuser und die Heimat. Manchmal hat mich schon die schiere Wut auf die Politik und Politiker gepackt, wie Menschen verachtend und rücksichtslos ihre Interessen durchgesetzt werden.

Inzwischen ist ja ein Miteinander eingekehrt. Es gibt deutsche und italienische Schulen, beide Sprachen sind als Amtssprachen zugelassen. Das ist ein großes Verdienst von Landeshauptmann Silvius Magnago (1914-2010), der nahezu 30 Jahre diesen Posten bekleidet hat und als Vater der Südtirol-Autonomie bezeichnet werden darf.

Fazit:

Ein berührendes und beeindruckendes Buch, das unbedingt gelesen werden sollte. Gerne gebe ich 5 Sterne und eine Leseempfehlung.
Trina bleibt 24. Juni 2020
von Ele95
Ich bleibe hier, Roman von Marco Balzano, EBook 197 Seiten, erschienen im Diogenes Verlag.
Balzanos Geschichte ist eine Geschichte des Widerstands und der engen Verbundenheit mit der Heimat.
Trina ist eine junge Frau aus Graun im Vinschgau, sie will Lehrerin werden, doch Mussolini und die Italianisierung Südtirols kamen dazwischen, es durfte kein deutscher Unterricht mehr stattfinden so konnte Trina keine Anstellung als Lehrerin bekommen, alles bekam italienische Namen und die deutsche Sprache war verboten, die Faschisten verfolgten diese Vorschriften mit bitterer Härte. Trina heiratet und bekommt Kinder, doch als der 2. Weltkrieg beginnt, wird ihr Erich eingezogen, sie flieht mit ihm in die Berge, um seinem Dienst in der Wehrmacht zu entgehen. Eine Region in der Faschismus und Nationalsozialismus direkt aufeinanderfolgen. Als der Krieg vorbei ist, beginnt der Bau des Stausees, der immer wieder aufgeschoben wurde. Politisches und ökonomisches Interesse wird durchgesetzt, ohne dass die Bevölkerung etwas dagegen ausrichten kann. Viele gehen fort, aber Trina bleibt hier.
Das Buch ist mir in erster Linie, wegen des gut gewählten Coverbildes aufgefallen. Bei unseren Reisen nach Südtirol, sind wir schon oft am Reschensee vorbeigekommen, in dem der Kirchturm des überschwemmten Dorfes Graun aus dem Wasser ragt. In Zukunft werde ich diese Touristenattraktion mit anderen Augen betrachten. Am Anfang ist eine Karte eingezeichnet, die ich aber beim EBook nicht nutzen konnte. Der Plot ist in 3 Teile aufgeteilt: 1. Die Jahre, 2. Die Flucht, 3. Das Wasser. Innerhalb dieser Teile gliedert sich der Roman in diverse überschaubare Kapitel, die mit Kapitelzahlen versehen sind. Balzanos Landschaftsbeschreibungen ziehen den Leser hinein in diese Erzählung. Er bedient sich des Personalen Erzählstils aus Sicht der Protagonistin, Trina erzählt ihre Geschichte, die ihrer Angehörigen und die ihres Dorfes so, als schreibe sie Briefe, die an ihre Tochter gerichtet sind. Von der Charaktertiefe der Protagonistin und der anderen Figuren bin ich beeindruckt. Jeden einzelnen Charakter, ein Beispiel - die des Ingenieurs mit Hut, konnte ich mir bildhaft vorstellen. Mir hat sehr gut gefallen, wie der Autor seine Figuren in die Handlung integriert hat, so authentisch glaubhaft, dass man meint, genauso ist es auch passiert – lebendig und flüssig zu lesen.
An einem Tag habe ich das Buch gelesen, ich konnte den Reader kaum aus der Hand legen, in der Zwischenzeit hat mich das Gelesene nicht losgelassen. Auch nach der Lektüre wird mich das Buch noch eine Zeit lang beschäftigen, es hat mich auch zu weiteren Recherchen angeregt. Immer wieder haben mich einzelne Szenen oder Sachverhalte erschüttert, zu Tränen gerührt oder nachdenklich gemacht. Nie wieder werde ich am Reschensee vorbeikommen, ohne an das unsägliche Leid und die Ungerechtigkeit zu denken, das den Bewohnern von Reschen und Graun widerfahren ist. Den beschriebenen kleinen Friedhof oberhalb des Dorfes in den die Toten umgebettet wurden habe ich selbst schon besucht. Die Geschichte Südtirols fasziniert mich schon lange, dies ist ein wichtiger Abschnitt davon. Die heimlichen „Deutschschulen“ nach dem ersten Weltkrieg kannte ich von den Erzählungen unseres „Gastgeber-Uropas“. Ein wahrlich schmerzliches Kapitel in der Geschichte Italiens. Der Roman erzählt über den jahrhundertelangen Kampf der Bergbewohner um ihre Heimat und über ihr hartes Leben. Die Geschichte der Bewohner Südtirols und besonders der Orte Graun und Reschen, wird in diesem wunderbaren Buch anschaulich und nachvollziehbar anhand der Lebensgeschichte Trinas erzählt. Berührend und nachdenklich machend. Eine absolute Lese- und Kaufempfehlung, von mir 5 wohlverdiente Sterne.

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alice