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Rezensionen

Dopamine Style
Rachel Verney

Dopamine Style

Bewertung:

In diesem Buch erhält man viele Einblicke in die Grundlagen des Dopamine Decor. Das ist insgesamt sehr gut gelungen, man sollte jedoch im Hinterkopf behalten, dass es sich tatsächlich um ein Grundlagenbuch handelt. Wer tiefgehende Tipps oder zahlreiche DIY-Anleitungen erwartet, wird diese hier nicht finden.

Das Buch ist wunderschön gestaltet und strahlt Dopamine Decor von vorne bis hinten aus. Die verschiedenen Wohnungsbeispiele zeigen, wie vielfältig dieser Einrichtungsstil sein kann. Immer wieder wird betont, wie wichtig Farben sind und dass diese – auch wenn ein bunter Look gewünscht ist – harmonisch zusammenpassen sollten. Für mich persönlich war das nichts Neues, weshalb ich die häufige Wiederholung dieses Aspekts stellenweise etwas überflüssig fand.

Ich hätte mir zudem ein paar mehr konkrete Tipps gewünscht, wo man Dekoartikel und ähnliche Dinge finden kann. Die wenigen Hinweise am Ende des Buches bezogen sich überwiegend auf Farben oder auf Unternehmen, die in England ansässig sind.

Ich möchte aber nicht, dass das zu negativ klingt. Ich habe das Buch innerhalb weniger Stunden verschlungen, mochte die Gestaltung sehr und fand die zahlreichen Ideen inspirierend. Als Einführung in das Thema ist es definitiv gelungen, für konkrete Anleitungen oder detailliertere Tipps würde ich allerdings zusätzlich andere Quellen heranziehen.

Besonders die Bilder haben mir gefallen und bieten jede Menge Inspiration. Noch mehr Vorher-Nachher-Vergleiche hätte ich allerdings schön gefunden. Ganz am Anfang des Buches gab es beispielsweise ein solches Beispiel, das ich besonders gelungen fand. Auch die Gegenüberstellungen von Räumen mit unterschiedlicher Dekoration oder verschiedenen Teppichen fand ich spannend, da sie sehr anschaulich gezeigt haben, wie stark einzelne Elemente die Wirkung eines Raumes verändern können.

Man sollte dabei allerdings auch bedenken, dass nicht jeder über ausreichend Stauraum verfügt, um beispielsweise mehrere Teppiche zum Wechseln aufzubewahren. Gleiches gilt für manche andere Ideen oder Empfehlungen. Wer in einer Mietwohnung lebt, kann schließlich nicht jede Veränderung ohne Weiteres umsetzen.

Wer es bunt mag, erste Einblicke in das Thema Dopamine Decor gewinnen oder sich einfach inspirieren lassen möchte, macht mit diesem Buch nichts falsch. Außerdem lernt man einige Instagram-Accounts kennen, auf denen man sich weitere Ideen und Anregungen holen kann.

von Julia, 31. Mai 2026
In the Likely Event – Bis wir uns wiedersehen
Rebecca Yarros

In the Likely Event – Bis wir uns wiedersehen

Bewertung:

Was, wenn es nie den richtigen Zeitpunkt gibt und man sich stattdessen mitten in einem Kriegsgebiet wiedersieht? Genau das passiert Nate und Izzy. Bereits auf den ersten Seiten wird deutlich, dass zwischen den beiden noch immer ungelöste Gefühle und Spannungen bestehen.

Die Geschichte wird abwechselnd aus der Sicht der beiden Hauptcharaktere erzählt. Dabei bewegt sie sich einerseits im Jahr 2021 in Afghanistan und greift andererseits immer wieder Rückblicke auf die Jahre seit ihrem Kennenlernen im Jahr 2011 auf. Nach und nach setzt sich so das Bild ihrer gemeinsamen Vergangenheit zusammen.

Wer bereits Bücher von Rebecca Yarros gelesen hat, weiß, wie fesselnd ihr Schreibstil ist. Sie schafft es immer wieder, ihre Leserinnen und Leser emotional vollkommen mitzunehmen. Schon bevor ich mit dem Buch begonnen habe, war mir klar, dass ich vermutlich Taschentücher bereithalten sollte – und ich sollte Recht behalten.

Die Geschichte von Nate und Izzy ist geprägt von Höhen und Tiefen, von verpassten Chancen und schwierigen Entscheidungen. Dennoch ist auf jeder Seite diese tiefe Verbundenheit zwischen ihnen spürbar. Der Wunsch, den anderen beschützen zu wollen, die Angst vor einer Zurückweisung und die Frage, ob die eigenen Gefühle erwidert werden, verleihen der Geschichte eine besondere Intensität.

Während sich die beiden langsam wieder annähern, spitzt sich auch die Lage in Afghanistan immer weiter zu. Dadurch entsteht eine Spannung, die einen bis zum Schluss nicht mehr loslässt. Man fiebert die ganze Zeit mit und hofft, dass für die beiden am Ende doch noch alles gut wird.

Für mich ist dieses Buch eine herzergreifende Geschichte über Liebe, Verlust, Hoffnung und zweite Chancen. Von mir gibt es daher eine absolute Lese- und Taschentuchempfehlung!

von Julia, 31. Mai 2026
Ulrika Lagerlöf

Wo das Feuerkraut blüht (Die Norrland-Saga, Bd. 2)

Bewertung:

Während Siv im Jahre 1949 zwar dankbar, aber nicht wirklich glücklich ist in ihrer Ehe, kehrt Eva 2022 zurück in ihr Heimatdorf in Nordschweden, wo sie persönliche Pläne umsetzen möchte.

Der Krieg ist vorbei, einige Jahre sind ins Land gezogen, aber Siv und Eva sind auch im zweiten Teil der Norrland-Saga die Hauptfiguren, welche die Geschichte tragen, die beiden Frauen, welche durch ihr Schicksal enger miteinander verbunden sind, als sie denken. Die beiden Zeitebenen wechseln in loser Reihenfolge immer wieder ab und sorgen für Spannung und Abwechslung. Durch beste Recherche und inspiriert vom Leben der eigenen Vorfahren, entwirft Ulrika Lagerlöf einen bewegende Geschichte um zwei starke Frauen, die vor schwierigen Entscheidungen stehen. Der Alltag der Sami fließt ebenso schön ins Geschehen mit ein wie der Schutz der Wälder, einer wesentlichen Lebensgrundlage von Mensch und Tier. Die Figuren und ihre Beweggründe für ihr Handeln sind bestens dargestellt, insbesondere Sivs innerer Konflikt wird beim Lesen deutlich spürbar. Die empathische Sprache der Autorin trägt dann noch ihres dazu bei, die Szenen lebendig und authentisch wirken zu lassen. Besonders gut gelungen ist natürlich der Kern der Geschichte rund um das schreckliche Feuer, allerdings kann selbst aus der Asche noch Gutes entstehen, wie das leuchtende Feuerkraut zeigt. Aber ist das genug? Spannende Episoden in den 1950er-Jahren sowie im aktuellen Jahr 2022 bescheren uns Lesern berührende Stunden.

Obwohl Band 1 fast noch um eine Nuance fesselnder war, empfehle ich diese Fortsetzung natürlich ebenfalls gerne weiter.

von clematis, 31. Mai 2026
Alice Doublier

Heller als Feuer

Bewertung:

Feuer ist das beherschende Element. Es macht Angst, es wird angebetet und es beinhaltet Magie. Alyshia ist eine von den Frauen die diese verbotene Magie in sich trägt. Dieses Geheimnis wird gut gehütet. Als der Kronprinz eine Braut sucht, müssen sich alle Prinzessinnen an seinen Hof kommen, damit er sich eine aussucht. Alyshia ist diejenige die im Gegensatz zu den anderen gar nicht heiraten will. Ihr Geheimnis ist zu gefährlich. Aber da die anderen es nicht wissen entsteht ein Kampf um den begehrten Mann, Intrigen sind an der Tagesordnung.
Ich lese nur ab und zu Fantasy daher bin ich nicht ganz gut informiert über die verschiedenen Genres und Welten.
Hier orientiert es sich eng an einer normalen Welt irgendwo im Mittelalter.
Das Gefühl Ähnliches schon mal gelesen zu haben hat mich ab der Mitte nicht mehr los gelassen. Ich kann es nicht auf den Punkt bringen., aber einige Elemente meine ich schon mal gelesen zu haben.
Der Schreibstil war in der Ich Form gehalten, nicht schlecht aber ie Autorin wechselte immer zwischen den Protagonistinnen hin und her. Mal erzählt die eine dann die andere. Das empfand ich als anstrengend weil dadurch immer wieder ein Bruch entstanden ist.
Ein fulminantes Ende mit allem was dazu gehört.

von Petra, 31. Mai 2026
Im Morgengrauen
Marc Raabe

Im Morgengrauen

Bewertung:

WORUM GEHT ES?
Ein viral gegangenes Videos, ein Eulentattoo, eine Affäre mit dem mächtigsten Mann Deutschlands, und dann ist der Bundeskanzler plötzlich wie vom Erdboden verschluckt.
Als BKA-Ermittler Art Mayer und Nele Tschaikowski tief unter Berlin auf eine entstellte Leiche stoßen, die mehr Fragen aufwirft als Antworten gibt, beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, der schnell gefährlich persönlich wird.
Denn wer steckt wirklich hinter den Videos?
Was ist Inszenierung, was ist Wahrheit, und warum gerät Art plötzlich selbst ins Fadenkreuz?

WAS MIR GUT GEFIEL:
- Atemloser Sog von der ersten Seite: Marc Raabe kennt keine Aufwärmphase. Man wird direkt in den Strudel hineingezogen, und kommt so schnell nicht mehr raus. Ich habe das Buch innerhalb eines Tages verschlungen, weil jedes Kapitel mit einer neuen Frage endet und "nur noch kurz weiterlesen" schlicht keine Option war.
- Wendungen, die wirklich überraschen: Man glaubt, man hat den Fall durchschaut, und dann wirft Raabe alles über den Haufen. Keine aufgesetzten Twists, sondern Wendungen, die im Nachhinein erschreckend logisch wirken.
- Charaktere mit echten Narben: Art, Nele und auch die kleine Milla fühlen sich nicht wie Romanfiguren an, sondern wie Menschen, die man kennt. Kein Hochglanz, kein Perfektionismus, sondern Ecken, Wunden und Entscheidungen, bei denen man selbst nicht immer weiß, ob man sie gut findet. Genau das macht sie so unwiderstehlich.
- Kessys Videotagebücher: Dieser Erzählstrang hat mich am meisten erwischt. Man bewegt sich mit ihr langsam auf einen Tag zu, von dem man weiß, dass er nicht gut ausgeht, und kann trotzdem nicht aufhören zu lesen.
- Erschreckend aktuell: Social Media, Desinformation, politische Machtspiele, das Szenario wirkt nicht weit hergeholt, sondern beängstigend nah an der Realität. Das verleiht dem Thriller eine Dringlichkeit, die unter die Haut geht.
- Filmischer Schreibstil: Kurze Kapitel, ständig wechselnde Perspektiven, ein Tempo, das keine Luft lässt, man liest dieses Buch nicht, man erlebt es.

WAS MIR WENIGER GUT GEFIEL:
- Vermutlich das Ende: "Im Morgengrauen" ist offiziell als letzter Band der Reihe angekündigt, und das ist der einzige Punkt, der wirklich wehtut. Art, Nele und Milla loszulassen fällt schwer. Man kann nur hoffen, dass Marc Raabe es sich irgendwann anders überlegt.

FAZIT:
"Im Morgengrauen" ist ein Thriller auf absolutem Topniveau.
Packend, clever konstruiert und mit Charakteren, die man so schnell nicht vergisst.
Wer Freude an politischen Thrillern mit emotionaler Tiefe, einem rasanten Tempo und Wendungen hat, die man wirklich nicht kommen sieht, ist hier genau richtig.
Pflichtlektüre für alle Fans der Reihe, und eine perfekte Möglichkeit, um endlich damit anzufangen.

von libraryoflaura, 31. Mai 2026
Counting Days
Steffi Kuhlmann

Counting Days

Bewertung:

Ich habe "Counting Days" sehr gerne gelesen, weil mich die Geschichte emotional wirklich mitgenommen hat. Besonders die Figuren wirken sehr echt und nahbar, da sie mit Selbstzweifeln, familiären Erwartungen und persönlichen Problemen kämpfen. Vor allem Dalias Gedanken und Gefühle haben mich oft berührt.

Der Schreibstil hat mir ebenfalls sehr gefallen, weil er leicht zu lesen ist, aber gleichzeitig viele Gefühle transportiert. Die Geschichte schafft es, ernste Themen mit kleinen, schönen und manchmal auch humorvollen Momenten zu verbinden, sodass sich das Buch trotz emotionaler Szenen nie zu schwer angefühlt hat. Besonders schön fand ich, dass die Charaktere sehr lebendig wirken und man schnell mit ihnen mitfühlt und wissen möchte, wie es für sie weitergeht.

Auch das Cover gefällt mir richtig gut, weil es sofort eine emotionale und ruhige Stimmung vermittelt und perfekt zur Atmosphäre der Geschichte passt. Es wirkt modern, harmonisch und macht neugierig auf den Inhalt, ohne zu viel vorwegzunehmen.

Insgesamt ist Counting Days für mich eine emotionale und gefühlvolle Geschichte über Selbstfindung, Familie, Liebe, Verlustängste und den schwierigen Weg, seinen Platz im Leben zu finden. Ein Buch, das mich emotional abgeholt hat und definitiv noch etwas nachhallen wird.

von Tina, 31. Mai 2026
Sasha Peyton Smith

Hof der Dornen, Band 1: The Rose Bargain

Bewertung:

Ich finde ja dieses Crossover aus Bridgerton-Vibes und düsterer Fae-Fantasy richtig ansprechend. Hätte nicht gedacht, dass das für mich so ein Ding sein könnte, aber wow, ich mochte den Flair dieser Geschichte richtig gerne. Bin ja sowieso absoluter Fan von der Kunst des Werbens im alten England, den Bällen und gesellschaftlichen Gepflogenheiten, aber das ganze nochmal gepaart mit magischen Pakten und einer beängstigenden Fake-Queen ist einfach nochmal so viel spannender.

Auch das Love-Triangle aus Ivy, Bram und Emdet gefällt mir richtig gut. Man merkt sehrt gut, wie Ivy hin und her gerissen ist zwischen dem, was sie sich selbst erhofft und dem, was sie für das Beste für das weitere Schicksal ihrer Familie hält. Ich mochte auch die Nebenhandlung rund um Lydias Rose Bargain und fand es so spannend herauszufinden, was wohl dahintersteckt.

Am Erzählstil hat mir besonders gut gefallen, dass auch jedes der anderen Mädchen ein eigenes Kapitel bekommt. So lernt man sie etwas besser kennen, erfährt viel über ihre Motive und Lebensumstände und das ganze macht die Geschichte dreidimensionaler und authentischer. Neben den Interaktionen der Mädchen selbst waren für mich die seltsam grausamen Prüfungen der Queen mein absolutes Highlight. Das hat der Geschichte einen bedrohlichen touch gegeben und sie zusätzlich interessant gemacht.

Ich fand auch das Ende absolut gelungen und will jetzt unbedingt wissen, wie es weitergeht. Hat mir richtig gut gefallen.

von Lies_ein_Buch, 31. Mai 2026
Stalins Alpinisten
Cédric Gras

Stalins Alpinisten

Bewertung:

Witali und Jewgeni Abalakow: Eine späte Hommage an zwei Weltklasse-Bergsteiger, die kaum bekannt sind
Durch einen Zufall ist mir diese preisgekrönte Reportage des französischen Journalisten Cédric Gras über die sowjetischen Brüder und Bergsteiger Witali und Jewgeni Abalakow in der Bibliothek in die Hände gefallen.

Während man die Bergsteiger und Bergsteigerinnen aus Österreich, der Schweiz, Deutschland, den USA oder Japan zumindest dem Namen kennt, sind jene der UdSSR meist unbekannt. Mit diesem Buch setzt Cédric Gras den Brüdern Witali und Jewgeni Abalakow ein Denkmal.

Akribisch geht er in verschiedensten Archiven, auch in jenen des KGB allen jenen Hinweisen nach, die die Abalakows betreffen. Dabei stößt er auf Überraschendes und Verstörendes.

Wie kommt es, dass die zunächst von Stalin gefeierten Alpinisten, die seine Büsten und die vermeintlichen Segnungen des Marxismus auf die Gipfel der Berge der UdSSR bringen, plötzlich in Ungnade fallen, verhaftet werden und mitunter verschwinden lässt?

Die Brüder, die aus Krasnojarsk/Sibirien stammen, unternehmen zahlreiche Expeditionen im Kaukasus sowie im zentralasiatischen Pamir und Tian Shan. Dort besteigen sie in den 1930er Jahren im Namen des Regimes die Siebentausender Pik Stalin und Pik Lenin sowie den Khan Tengri, der sie beinahe das Leben und zahlreiche Finger und Zehen kostet. Sie werden als Helden bejubelt.

1936 gehen die Brüder das letzte Mal gemeinsam auf den Berg. Zum einen gerät der Alpinismus zunehmend unter staatliche Kontrolle und zum anderen zerstreiten sich die Brüder auch privat. Ab 1937 findet das traditionellen Bergsteigen ein Ende. Da der Sowjetischen Armee Gebirgsjäger, wie in der Deutschen Wehrmacht oder den anderen Armee zu finden sind, fehlen, sollen die Abalakows Soldaten dazu ausbilden. Dabei achtet das Regime nicht auf die körperliche Eignung, sondern auf die Regimetreue.

Ab 1938 werden nicht mehr einzelne Alpinisten, sondern Truppen von bis zu 2000 Mann vom Regime zum Gipfelsieg entsandt. Dabei geraten viele Bergsteiger unter die Räder, so auch Witali, der Opfer des Großen Terrors und der stalinistischen Säuberungen wird. Er wird verhaftet, gefoltert und überlebt nur knapp. Nach dem Tod Stalins gelingt Witali die Rehabilitierung, seiner Bergleidenschaft lebt er bis ins hohe Alter aus. Nur der höchste Berg der Welt sollte ihm verwehrt bleiben. Witali stirbt 1986 mit 80 Jahren in Moskau.

Sein Bruder Jewgeni hingegen, der nicht in die Fänge von Stalins Terror gerät, sondern in der Schlacht um Moskau 1941/42 gegen die Nazi-Deutschland kämpft, wird 1948 in seiner Wohnung tot aufgefunden. Obwohl seine Frau nicht an die Kohlenmonoxid Vergiftung glaubt, wird sein Tod als Unfall klassifiziert und die Akte geschlossen. Ob hier von „höherer oder höchster Stelle“ nachgeholfen worden ist? Oder ist es nur der Unglaube, dass eine so wagemutige Person, einem profanen Gasunfall durch einen defekten Badeofen zum Opfer gefallen sein kann?

Meine Meinung:

Die Recherchearbeit kann nicht hoch genug gelobt werden. Denn in den Archiven des NKWD/KGB nach Regimekritikern zu suchen, ist bestimmt nicht einfach oder angenehm. Es scheint, als hätten die dortigen Mitarbeiter einem ähnlich akribischen Bürokratismus gefrönt wie die Gestapo des NS-Regimes, weshalb zahlreiche Notizen, Briefe, Fotos sowie Verhörprotokolle erhalten geblieben und in die Reportage eingeflossen sind.

Autor Cédric Gras verwebt die Ergebnisse seiner Recherchen gekonnt mit zeitgeschichtlichen Fakten und flicht eigene Erfahrungen beim Bergsteigen mit ein. Diese autobiografischen Einschübe tauchen immer wieder unvermutet und holpern im Lesefluss ein wenig. Ich verstehe allerdings, dass der Autor seine Emotionen mit den Lesern teilen will. Interessant sind auch die vielen erhaltenen Fotos von den Expeditionen sowie von Jewgenis Gemälde.

Das Buch ist dank Manon Hopf's Übersetzung aus dem Französischen ist seit 2021 in deutscher Sprache verfügbar! 2020 wurde es mit dem renommierten „Prix Albert Londres" ausgezeichnet.

Auf dem Cover der französischen Originalausgabe sind übrigens beide Brüder abgebildet. Dass das Foto nicht auch für die deutsche verwendet worden ist, finde ich schade.

Fazit:

Cédric Gras hat mit seinem Buch „Stalins Alpinisten“ eine unwahrscheinlich spannende und packende Reportage geschrieben. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

von Bellis-Perennis, 31. Mai 2026
Matt Haig

Die Mitternachtsreise

Bewertung:

Matt Haig schreibt einfach Bücher, die mich thematisch sehr ergreifen, trotzdem ist es immer so ein bisschen Glücksspiel, ob mir das jeweilige Buch aber auch tatsächlich gefällt. Hier war der Fall aber für mich sehr klar: habs geliebt. Für mich das bisher beste Buch von Matt Haig, ich hab ja so geheult beim Lesen.

Lieben wir nicht alle diese „Grumpy old man“-Geschichten?! Nur dass Wilbur eigentlich nicht grumpy ist, sondern jemand, der viel Schmerz erfahren, falsche Entscheidungen getroffen und das eigene Leben verpasst hat. Zudem ist Wilbur nun tot, gestorben einsam und allein. Am Ende seines Lebens geht er als Geist auf Reise durch die Schlüsselmomente seines Leben. Durch die Höhen und Tiefen, die Liebe und den Verlust.

Herzstück ist für mich die Liebe zu Maggie, die sich wie ein roter Faden durch die Geschichte zieht. Sie begleitet Wilbur von seiner Kindheit an und zu wissen, dass er am Ende ohne sie ist, hat mir schon von Beginn an das herz schwer gemacht. Die Geschichte ist einfach wundervoll in ihrer Tragik, einfach weil das Thema sehr nahbar und ergreifend ist. Natürlich geht es hier nicht nur um die Liebe, die mal ganz leicht und dann wieder unfassbar schwer ist, aber sie schwingt eben doch bei allen mit, was Wilbur erlebt.


Es hat mir gefallen, wie er seine Lebensetappen rekapituliert, sie in ein neues Licht gerückt sieht, bereut und begreift. Und dann wirkt die Geschichte ihre Magie. ich will hier nicht zu viel verraten, aber was Wilbur tut, ist absolut ergreifend. Die Geschichte birgt einiges an Lektionen, die jeder beherzigen sollte und gibt reichlich Denkanstöße, das eigene Verhalten mal zu hinterfragen. Denn was am Ende zählt ist, geliebt zu haben und geliebt worden zu sein.

von Lies_ein_Buch, 31. Mai 2026
Brechen wir aus!
Leokadia Justman

Brechen wir aus!

Bewertung:

Dieses Memoir, das von Dominik Markl und Niko Höfinger 2025 im Tyrolia-Verlag herausgegeben worden ist, ist die bewegende Flucht- und Überlebensgeschichte von Leokadia Justmann (1922-2002), die gemeinsam mit ihrem Vater aus dem Warschauer Ghetto geflohen ist, während ihre Mutter nach Treblinka deportiert und ermordet worden ist.
Leokadia und ihr Vater kommen 1943 als Zwangsarbeiter nach Tirol, leben dort mit falschen Papieren bis sie an die Gestapo verraten werden. Der Vater stirbt im KZ Reichenau, während es Leokadia mit einer Freundin gelingt, aus dem Gefängnis zu fliehen. Die beiden Frauen werden mit Hilfe von fünf mutigen Polizisten und drei unerschrockenen Frauen versteckt. In Innsbruck wird sie Joseph Wisnicki, einen polnischen Juden kennenlernen, der eine ähnliche Lebensgeschichte hat. Die beiden heiraten 1946 und lassen sich 1950 in den USA nieder.

Mehr möchte ich an dieser Stelle nicht verraten.

Meine Meinung:

Leokadia Justmann hat, wie man im Nachwort lesen kann, mit ihren Aufzeichnungen bereits während ihrer Flucht begonnen, sie mehrmals redigiert und in mehreren Auszügen veröffentlicht unter anderem 1963 als „In Quest for Life“. Bei ihrem Tod 2002 findet sich eine neuerliche überarbeitete Version dieser acht Jahre dauernden Überlebensgeschichte, die Grundlage für die Forschungsarbeit von Dominik Markl und Niko Höfinger ist. Die beiden Herausgeber haben den Bericht behutsam redigiert, die Angaben gegengecheckt und dort wo notwendig, die eine oder andere Ergänzung oder Korrektur angebracht. Auf Grund der detaillierten Angaben von Leokadia Justmann, ist es Dominik Markl und Niko Höfinger gelungen, einige wenige ähnliche Schiksale ausfindig zu machen.

Das Buch ist, ebenso wie jenes ihres Ehemann Joseph Wisnicki, als Hardcover mit zahlreichen privaten Abbildungen erschienen.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem, erstmals in Deutsche übersetze Memoir, das einen authentischen Einblick in die (Über)Lebengsgeschichte einer polnischen Jüdin in Tirol gibt, eine Leseempfehlung und 5 Sterne.

von Bellis-Perennis, 31. Mai 2026