Rezensionen von Petra Sch.
Noch fünf Tage
Eigentlich sollte es ein unvergesslicher Silvesterabend für die schwerreiche Familie Harman am Davoser Familiensitz werden. Immerhin hat die Privatköchin Lis Castrop, die mit ihrer 12-jährigen Tochter Cosima bei den Familie lebt, ein perfektes Menü kreiert.
Doch es kommt zur Katastrophe: das Ehepaar Harmann und die beiden Kinder sterben in der Nacht - es befand sich Gift im Menü. Lis, die einzige andere Person im Haus zur Tatzeit, ist auch vergiftet, hat aber noch fünf Tage zu leben. Somit ist sie Opfer und Zeugin zugleich. Und wird logischerweise zur Verdächtigen, immerhin ist sie die einzige (noch) Überlebende.
Um ihre Tochter Cosima zu schützen, will sie den Mord unbedingt aufklären, bevor die fünf Tage um sind: ein tödlicher Countdown.
Die Geschichte wird aus Sicht von Lis in ich-Form erzählt, somit kann man sich gut in sie hineinversetzen.
Man lernt auch ihre Vergangenheit kennen und wie sie zur Starköchin aufgestiegen ist und wie sie zur Familie Harmann gekommen ist.
Manchmal fragt man sich, wie diese Dinge mit den aktuellen Ereignissen zusammenhängen, doch nach und nach klärt sich alles auf. Lis Überlegungen und Ermittlungen hab ich mit Spannung verfolgt, und man bekommt einige Täter serviert.
Ich war über die Auflösung, auch wenn mir bald klar wurde, wer es war, doch über das warum sehr überrascht. Und habe tief in die Abgründe menschlich-charakterlichen Abschaums geblickt.
Und die Art, wie das Gift ins Essen gekommen ist, war richtig perfide.
Dieser Teil hat mir gut gefallen, weniger gut, weil unglaubwürdig, fand ich Lis' persönlichen Countdown - sie hat die Minuten bis zu ihrem Tod gezählt. Sooo genau kann man das doch gar nicht vorhersagen!?
Und ihr Verhalten ihrer Tochter gegenüber fand ich nicht gut. Bzw. nicht fair, indem sie ihr den Tod verschwiegen hat.
Fazit:
"Noch fünf Tage" ist mal ein ganz anderer Thriller: Lis, die ein sterbendes Opfer ist, hilft, ihren Mord aufzuklären. Leider konnte mich der Charakter der Protagonistin nicht mitreißen.
Code Null. Dieses Spiel kennt keine Regeln
Sonntag, 12. April, 16:05 Uhr. Für einige Sekunden fällt in Berlin das Navigationssystem aus, was fast zu einem schrecklichen Unfall geführt hätte. Dahinter steckt die Terrorgruppe "Timeout", die die EU erpressen will mit der Drohung, dass sie noch mehr Schaden anrichten kann, denn sie haben sich ins Galileo-Satellitensystem gehackt.
Lukas Philips und die Ermittler von CSA5, einer geheimen Spezialeinheit gegen Cyberterrorismus, stoßen an ihre Grenzen.
Doch sie haben Glück: Charlotte (Charlie) Engel, eine der besten Programmiererinnen, hat sich privat auf die Suche nach dem Navi-Fehler gemacht, denn sie war unmittelbar davon betroffen. Und findet dabei mehr heraus, als die Behörde. Klar, dass sie engagiert wird und bald in Gefahr gerät.
Die Protagonistin Charlie ist ein IT-Genie. Und trotz ihrer leichten sozialen Probleme schließt man sie sofort ins Herz. Sie ist sympathisch, authentisch und herzensgut. Manchmal aber auch etwas naiv.
Ihre selbst entwickelte KI namens KIM kommt - natürlich unerlaubt - auch zum Einsatz.
Hier merkt man, wie hilfreich KI sein kann, denn KIM ist natürlich zigmal schneller als die besten Hacker.
Ich fand auch die politischen Verstrickungen sehr spannend zu verfolgen, wie es möglich sein kann, dass die EU erpresst wird, und welche Mechanismen und Behörden zur Bekämpfung eingeschalten werden.
Sämtliche handelnden Personen polarisieren und man rätselt mit Charlie und Lukas mit, wer wohl dahinterstecken könnte.
Auch die Ermittlungsarbeit ist sehr authentisch dargestellt, nur bei den IT/KI-Dingen fand ich (als Laie) einiges etwas zweifelhaft.
Doch auch wenn manches sehr unglaubwürdig erscheint, ist es doch in diesen Zeiten, wo KI immer mehr überhand nimmt, aktueller denn je und ja - es könnte möglich sein. Diesen Hintergedanken hat man immer wieder und dadurch ist es so beklemmend und angsteinflößend.
Ich freue mich auf jeden Fall schon sehr auf den nächsten Fall von Charlie und KIM (und hoffentlich auch Lukas, denn zu Dritt sind sie ein super Team)!
Fazit:
Reihenauftakt: brandaktueller KI-Thriller, der umso beängstigender ist, als dass die Bedrohung von Cyberterroristen mittels KI in diesen Zeiten sehr realitätsnah ist. Ich freue mich schon auf den nächsten Fall der sympathischen Programmiererin Charlie und ihrer Künstlichen Intelligenz KIM.
Bachelorette Party
Mai 2012: eine Gruppe von vier Freundinnen befindet sich zum jährlichen Treffen auf der kleinen, privaten schwedischen Schäreninsel "Isle Blind", doch alle vier verschwinden spurlos.
Zehn Jahre später: Tessa nimmt nur ungern an der Junggesellinnenabschiedsfeier ihrer ehemaligen Freundin Anneliese teil, mit der sie schon länger kaum mehr Kontakt mehr hat.
Doch Tessa hat nur zugesagt, weil die JGA in einem neuen, exklusiven und noch nicht offiziell eröffneten Yoga Retreat stattfindet - welches sich auf Isle Blind befindet! Und der Cold Case der vor 10 Jahren verschwundenen Frauen geht ihr nicht aus dem Kopf, daher will sie unbedingt auf diese Insel und nimmt, fast schon widerwillig, an der Bachelorette Party teil.
Der Prolog mit den Geschehnissen aus 2012 hat mich richtig mitgerissen. Man kann sich in die vier Frauen hineinversetzen, und man fiebert mit ihnen mit.
Die Geschehnisse im April 2022 konnten mich hingegen nicht so fesseln, auch nicht bis zum Schluss. Die Frauen haben sich teilweise unlogisch verhalten und keine der Charaktere spricht mich wirklich an.
Und zu Tessas großem Geheimnis gibt es leider immer nur kurze Andeutungen, aber nichts Greifbares. So etwas mag ich leider gar nicht so gerne. Noch dazu, wenn sich dann herausstellt, dass das Ganze überdramatisiert wurde. Ich konnte wirklich nicht nachvollziehen, warum alle Tessa so herablassend behandelt haben; wie wenn sie eine Schwerstkriminelle wäre oder so. Diese "Freundschaften" fühlten sich einfach nur falsch an.
Dann ist da noch Tessas wahnsinnige Angst, die absolut nicht nachvollziehbar ist. Ja, vor 10 Jahren sind vier junge Frauen (von dieser Insel) verschwunden, mutmaßlich ermordet. Doch warum hat Tessa so wahnsinnige Angst; Todesangst? Außer, dass eine der damals Verschwundenen vor vielen Jahren mal bei ihr und ihrer Schwester gebabysittet hat, hat sie doch keinerlei Verbindung zu ihr oder einer der anderen Frauen. Und was glaubt sie, nach 10 Jahren noch zu finden; noch dazu, wo erst kurz zuvor eine Baustelle auf der Insel war.
Auch gibt sich Tessa zuerst extrem mutig, dann zeigt sie ein egoistisches überängstliches Verhalten; das passt nicht zusammen.
Leider gibt es auch viel langatmiges Füllmaterial (Infos zu Yoga, das Partyleben der Mädels bzw. deren sexuelle Ausschweifungen), was gerne hätte eingekürzt werden können.
Einen Teil der Auflösung konnte ich bald enträtseln, der Rest hat mich zwar überrascht, konnte aber auch nicht überzeugen.
Fazit:
Eine gute Plotidee, die mich leider nur teilweise mit den Geschehnissen aus 2012 überzeugen konnten. Im Jahr 2022 gab es zu viele Unstimmigkeiten.
Home Before Dark
Die Geschichte spielt auf zwei Zeitebenen: einerseits im November 1967, als die 15-jährige Stina auf dem Heimweg von Freunden im ländlichen Island verschwindet - zurück bleibt nur ihre blutige Jacke.
Und dann 10 Jahre später, als Stinas um zwei Jahre jüngere Schwester Marsibil wieder in ihr Heimatdorf zu ihren Eltern anlässlich Stinas verschwinden zurückkehrt. Doch ihr lässt es immer noch keine Ruhe, und sie beginnt zu recherchieren. Denn sie hat immer noch Schuldgefühle - sie hatte vor 10 Jahren einen Brieffreund, mit dem sie sich genau an jenem Ort treffen wollte, an dem Stina verschwunden ist.
Beide Zeiten werden aus den unterschiedlichen Perspektiven der beiden Schwestern in ich-Sicht erzählt, sodass sich die Geschehnisse nach und nach aufdecken.
Mir haben besonders die Ermittlungen von Marsi im Jahr 1977 gefallen, man konnte sich gut in sie einfühlen.
Die typische Nordic Noir Atmosphäre kommt toll rüber, es ist alle so düster und trostlos; und dann spielt es auch noch im Winter.
Auch die psychischen Probleme von Marsi tragen dazu bei, denn sie ist sich oft nicht sicher, was tatsächlich passiert ist, und was sie nur geträumt hat. Das fühlt sich sehr beklemmend an.
Die sozialen Gefüge der damaligen Zeit sind authentisch dargestellt - was man (v.a. als junges Mädchen) alles nicht durfte; man musste den Schein nach Außen wahren; und man hat nicht offen über alles gesprochen, auch innerhalb der Familie nicht. Und diese Geheimnisse haben, wie so oft, zu Fehlentscheidungen geführt.
Die Auflösung hat mich leider nicht so ganz zufriedengestellt. Einen Teil konnte ich sehr bald erahnen, andere Dinge haben mich überrascht - aber das Motiv konnte ich nicht so wirklich nachvollziehen.
Fazit:
Nordic Noir Psychothriller mit düsterer Atmosphäre, man fiebert mit Marsi mit. Die Auflösung hat mich leider nicht so ganz zufriedengestellt.
Mord ist die beste Beseitigung
Ich bin wieder super reingekommen in die Welt von Tommi und Svetlana.
Und was soll ich sagen: die 50-jährige Svetlana ist immer noch eine Wucht! Ich liebe ihren trockenen Humor und ihr Ermittlergen samt guter Kombinationsgabe.
Und Tommi, 32, dagegen ist immer noch tollpatschig-naiv. ihn könnte ich ständig schütteln. Aber gemeinsam sind sie halt noch unterhaltsamer!
Und auch dass Herr Kleinschmidt wieder mit dabei ist, macht die Sache humorig. Wobei ich fast entsetzt war, dass dieser leichte empathische Züge bekommen hat.
Der Fall selbst ist auch sehr mysteriös! Wohin ist die Frau im blauen Audi verschwunden, die über einen Reiseruf (das Wort hatte ich übrigens noch nie gehört) im Radio gesucht wurde? (war aber auch ein seeeehr großer Zufall, dass Tommi und Svetlana genau DANN an dem Audi vorbeikamen...)
Dann gibt es noch den Ehemann, der sich zwar seltsam und auffällig verhält, aber man fragt sich, ob er tatsächlich etwas mit ihrem Verschwinden zu tun hat. Und lebt sie überhaupt noch? - Man rätselt mit Tommi und Svetlana mit, wobei Tommi diesmal erstaunlich viel zur Lösung beizutragen hat.
Die Auflösung, wer die Bösewichte sind und wer die treibende Kraft dahinter ist, hat mich überrascht.
Leider fand ich einiges unglaubwürdig (zB, wie sich Tommi befreit hat usw), und auch der Showdown war ein bisschen zu viel, finde ich. Aber auch irgendwie zu kurz. Kaum hat er begonnen, war auch schon alles vorbei.
Jetzt bin ich schon neugierig, ob Tommi vielleicht von Autor auf Privatdetektiv umsattelt? Svetlana wäre da sicher sofort dabei. SIE will ja immerhin ständig ermitteln ;)
Autor ist ja nicht wirklich seins, wenn ihm nie eine gute Geschichte einfällt.
Jedenfalls hab ich nach dem Ende große Hoffnung, dass Tommi nun doch ENDLICH mal ein Buch fertig schreibt! Und vielleicht ist das ja auch der Stoff für den neuen Fall des Ermittlerduos Tommi&Svetlana.
Fazit:
Ein verpeilter und chaotischer Schriftsteller mit Schreibblockade und eine ukrainische Putzfrau, die ständig Sprichwörter durcheinander bringt, ermitteln in ihrem zweiten Fall zu einer auf der Autobahnraststätte verschwundenen Frau. Wieder eine humorvolle Unterhaltung, die Lust auf mehr macht!
Zelten mit Juli
Im 7. Band der Juli-Reihe geht es auf Klassenfahrt - und zwar ALLE der tierischen Sechs fahren mit! (jaaa, auch die Ponys) :D
Es ist wieder so schön, auf die Freunde zu treffen - Paul, der die Geschichte aus seiner Sicht in ich-Form erzählt, seine Nachbarin Anna und sein Freund Max.
Und der tierische Teil der Bande sind Pauls Pony Juli, ihr Fohlen Juno (das jetzt Anna gehört), und Max' Hund Watson.
Alle Charaktere werden zu Beginn vorgestellt, sodass auch neue Leser leicht in die Geschichte finden; und Geschehnisse aus einigen Vorgängerbänden werden immer wieder kurz erwähnt, sodass man Lust bekommt, diese zu lesen.
Klassenfahrt (und Zelten) ist ein Thema, das viele Kids betrifft. Schön ist, dass die Schultiere hier auch mitfahren dürfen. Dass dabei Chaos vorprogrammiert ist, ist ja klar.
Die Freude wird jedoch sofort getrübt, denn im Camp der guten Hoffnung wird von den Leitern Annika und Thomas erstmal eine elendslange Liste an Regeln (und Verboten) vorgelesen. Und das Schlimmste: schwimmen im See ist verboten, denn darin sowie am Strand befinden sich aus unerfindlichen Gründen Unmengen an Plastikmüll. Und im Camp wird doch überall auf Plastik verzichtet?!
Klar, dass die Bande selbst auf Verbrecherjagd gehen muss, denn schließlich soll die Klassenfahrt toll werden!
Ich fand es sehr gut gelungen, wie das wichtige Thema Umweltschutz umgesetzt wurde - gerade Thomas und Annika, die immer mit dem Finger zeigen und als unsympathische Menschen polarisieren, regen zum Diskutieren und Nachdenken an. Auch wichtige Regeln für das Zelten werden so spielerisch nähergebracht.
Weitere zentrale Themen sind Freundschaft, Hilfsbereitschaft, Rücksichtnahme und Zusammenhalt.
Die Auflösung war übrigens toll, und trotz einiger Hinweise lag ich falsch ;)
Die farbenfrohen Illustrationen sind wieder wundervoll, ich finde sie ganz großartig! Diesmal sind sie noch detaillierter, teilweise wie ein Wimmelbild.
Der Text im Comic-Stil animiert zum (weiter-)lesen.
Fazit:
Ein aufregendes 7. Abenteuer der Tierischen Sechs, das wichtige Umweltschutz-Themen mit einem spannenden Krimi vereint.
Ich, die ich Männer nicht kannte
3,5 Sterne
Die ich-Erzählerin ist eine junge, namenlose Frau, die etwas sarkastisch über ihr Leben berichtet.
Sie kennt nichts anderes als den Käfig, denn sie ist mit 39 anderen Frauen eingesperrt, ohne Tageslicht. Bewacht von Männern, die nicht mit ihnen sprechen.
Bis eines Tages ein Alarm losgeht und die Männer verschwinden. Da die Käfigtür nicht verschlossen ist, wagen es die Frauen, rauszugehen. Doch draußen ist alles ganz anders, als sie es sich vorgestellt hatten bzw. aus ihrer Erinnerung kannten.
Die Geschichte ist einzigartig. Einerseits hat es mich ganz verrückt gemacht, dass man nichts erfährt! Und mir gingen beim Hören soo viele warum-Fragen durch den Kopf! Warum und seit wann sind die Frauen eingesperrt; warum genau 40; warum nur 1 ganz junges Mädchen, während alle anderen schon erwachsen waren, als sie eingesperrt wurden; warum werden sie ständig von Wärtern bewacht; warum sprechen diese Wärter nichts; warum dürfen sich die Frauen nicht anfassen, und WARUM gibt man ihnen nichts zu tun? Es erscheint somit ganz logisch, dass die sich selbst umbringen wollen - die müssen ja eingehen vor Langeweile! Ein bisschen kochen, Zöpfe flechten, Kleidung flicken. Und reden, aber da auch nicht zu viel. Nicht einmal Bewegung ist möglich, denn der Käfig muss ja extrem klein sein, wenn die Peitsche der Wärter überall hin kommt. SCHRECKLICH dieser Gedanke. Also WARUM werden die Frauen unter diese unmenschlichen Bedingungen am Leben erhalten?
Andererseits ist genau DAS das Stilmittel der Geschichte - man weiß nur genauso viel (oder eher wenig) wie die Frauen selbst. Echt gut gemacht!
Trotzdem finde ich einige Dinge unglaubwürdig: warum haben die älteren Frauen dem jungen Mädchen keinen Namen gegeben? Bzw. warum hat es sich nicht selbst einen ausgesucht. Wenn alle einen Namen haben, wähle ich doch für mich selbst auch einen, wenn es schon die anderen nicht machen. Und warum erklären sie dem Mädchen nicht die Dinge von draußen? Immerhin reden sie selbst miteinander ja ständig über ihr Leben von früher.
Die dystopische, beklemmende Atmosphäre ist sehr bedrückend und deprimierend. Die eingesperrten Frauen tun einem sehr leid; sie haben ja NICHTS. Sie bekommen zwar Lebensmittel, um zu kochen, aber für geistige und körperliche Beschäftigung und emotionale ... ist nicht gesorgt. Sie haben kaum Platz, nichts zu lesen, zu schreiben; ja nicht einmal einen Spiegel.
Die Charaktere der Frauen kommen eigentlich erst so richtig raus, als sie "in Freiheit" sind, zuvor war es für mich so ein Einheitsbrei. Nur die ich-Erzählerin lernt man genauer kennen. Sie ist sehr abgestumpft und emotionslos, erst später entwickelt sie Neugierde.
Es gibt leider einige unlogische Stellen, zB dass sie sich selbst anhand der gefundenen Bücher lesen beibringt (obwohl sie zuvor nur vor vielen Jahren mal Buchstaben im Staub gezeigt bekommen hat). Auch, dass nach all den Jahre (etwa 50) überall noch Strom vorhanden ist und die Nahrungsmittel (Fleisch und Gemüse) noch nicht verdorben sind. Und auch, wenn die Frauen nicht wissen, wo sie sind und herumspekulieren - warum gibt es Pflanzen, aber keine Tiere?
Und noch mehr Fragen über die Käfige, den Grund für das Eingesperrtsein, das Desinteresse der Wärter und vieles mehr.
Man bleibt - ebenso wie die Erzählerin - bis zum Schluss im Ungewissen, was mich normalerweise fertig macht, hier aber als Stilmittel gut passt, weil es eben genau dem entspricht, wie es die Protagonistin wahr nimmt. Dass man am Schluss jedoch keine einzige Antwort erhält, ist dann aber doch deprimierend.
Die Sprecherin Vera Teltz kenne ich bereits von Filmsynchronisationen und ich finde, sie hat einen tollen Job gemacht. Man glaubt wirklich, die Protagonistin erzählt ihre Geschichte, denn ihre Stimme ist genau eintönig und emotionslos, wie man vom Verhalten der ich-Erzählerin erwartet.
Fazit:
Eine wirklich interessante, dystopische, atmosphärische und bedrückende Geschichte. Man fiebert mit, aber erhält leider keine einzige Antwort auf die vielen, vielen Fragen.
Frag Philomena Freud
Wien, 1920: Philomena lebt auf der Straße und verdient ihr Geld als Schuhputzerin - und zwar vor der Praxis von Siegmund Freud. Immer an ihrer Seite: der von ihr gerettete Schnauzer Kaiser Franz. Dort bekommt sie natürlich viel mit und kann schon selbst gute Ratschläge geben.
Sie ist auch ständig auf der Flucht vor der Dame vom Jugendamt, die sie wieder ins Heim stecken will. Doch Philomena liebt ihre Freiheit und will diese (verständlicherweise) auf keinen Fall aufgeben.
Als sie erfährt, dass die junge Patientin Sidonie von Wallersee verdächtigt wird, ihre Vormundin, die Baronin von Wallersee, ermordet zu haben, wird Philomena hellhörig. Sidonie hat ihre Erbtante angeblich mit einer Haarnadel erstochen, an der eine Spinne aus Perlen befestigt war. Doch Sidonie hat Angst vor Spinnen und ist u.a. deshalb in Behandlung bei Dr. Freud. Philomena glaubt daher nicht, dass es Sidonie war, auch wenn diese gestanden hat.
Philomena ist ein außergewöhnliches Mädchen! Sehr sympathisch, empathisch, mutig, vif und mit so viel Einfallsreichtum gesegnet! Aber sie ist natürlich auch sehr stur - und sie hat großen Gerechtigkeitssinn, denn sie ist sich sicher, dass Sidonie unschuldig ist, und will es unbedingt beweisen. Und dafür fallen ihr viele hilfreiche Dinge ein.
Auch das historische Wien und v.a. das Leben der Straßenkinder ist authentisch und lebendig dargestellt, und man bekommt große Lust, die wunderschöne Strudelhofstiege zu besuchen.
Die Psychoanalyse von Sigmund Freud ist spannend veranschaulicht und es ist toll umgesetzt, wie Philomena die Psychoanlyse auf ihre Art beherrscht und anwendet.
Der Mordfall ist komplex und mitreißend, und man fiebert mit Philomena mit.
Erwähnen muss ich auch das tolle Cover, das sich erst nach dem Lesen komplett erschließt. Philomena und Kaiser Franz stehen auf der wunderschönen Strudlhofstiege, die in der Geschichte eine große Rolle einnimmt. Und die perlenbesetzte Spinne ist auch erst auf den zweiten Blick ersichtlich.
Fazit:
Eine sympathische, junge Protagonistin löst einen aufregenden psychologischen Fall mit viel historischem Wien-Flair.
Ich freue mich schon auf die nächsten Fälle mit Philomena!
Moorland. Die Zwillinge
Im kleinen Ort Moorbach direkt am Namenlosen Moor verschwinden über Nacht die 18jährigen Zwillinge Jana und Nike. Sie wollten trotz des schlechten, extrem nebligen Wetters ein Video für TikTok produzieren.
Trotz sofortiger Suchaktion vieler Einwohner können die Mädchen nicht gefunden werden.
Am selben Abend wird Toma von einem Auto angefahren; Fahrerflucht. Hängt beides zusammen?
Die Ermittlerin Malia Gold ist an ihrem ersten Tag im Dienst gleich in diesen schrecklichen Fall verwickelt, der sie an ihre eigene Vergangenheit erinnert.
Den Schreibstil von Andreas Winkelmann mochte ich schon immer, aber diesmal ist es besonders anschaulich und lebendig! Man kann sich alles ganz genau vorstellen, man zittert in der Kälte, es gruselt einem vor dem dunklen Moor und auch die Ermittlungsarbeit ist so authentisch; das Auffinden kleinster Spuren und das Zusammensetzen dieser zu einem Gesamtbild finde ich spannend und interessant dargestellt.
Malia ist eine faszinierende Persönlichkeit; trotz schlimmer Dinge in ihrer Vergangenheit ist sie unparteiisch (außer alles, was mit ihrer Mutter zusammenhängt) und immer auf den Fall fokussiert.
Ihre charakterliche Entwicklung ist auch toll, denn sie merkt, dass sie ihre Scheuklappen ablegen und auf andere zugehen und deren Hilfe annehmen muss, auch wenn es entgegen ihrer Befindlichkeiten ist.
Die Auflösung ist nachvollziehbar, und komplexer als ich zuerst dachte. Und es gibt nicht nur Happy-Ends, das macht es so authentisch.
Es gibt noch offene Dinge, die hoffentlich im nächsten Band aufgelöst werden, auf den ich mich schon sehr freue!
Fazit:
Eine faszinierende Ermittlerin; ein spannender Fall mit einer authentischen Auflösung und eine lebendige Darstellung des Moores - man fühlt richtig die eisige Kälte des Nebels im Moor auf der Haut!
Willkommen bei den Grauses 3: Der normale Schulwahnsinn
Im 3. Teil der Reihe ist es so weit: die Grause-Kinder Wolfi und Muh dürfen in die Schule! Unterstützung bekommen sie von ihrer Nachbarin und Freundin Ottilie Schmidt. Die kleine Husch würde auch gerne mit, doch sie ist noch zu klein und darf nicht.
Klar, dass nicht nur die unsichtbare Husch für jede Menge Chaos sorgt! Denn Wolfi mit den spitzen Zähnen und Muh mit seinen Hörnern sind keine normalen Kinder und wissen demnach nicht, wie sie sich richtig zu verhalten haben. Das wird von den drei unsympathischen Mona-Lisas auch total ausgenutzt.
Und dann ist da ja auch noch die Krähe, die bei jedem Verstoß einen grauen Punkt für die Familie setzt und so die Gefahr droht, dass die Familie wieder zurück muss. Und der grummelige Opa Schrat trägt leider auch nicht dazu bei, dass die Punktebilanz ausgeglichen ist - ganz im Gegenteil sogar.
Ich finde die Geschichte mit der chaotischen Außenseiterfamilie so liebenswert!! Die Darstellung der Kinder, die einfach anders sind als normale Menschenkinder, und somit nicht akzeptiert werden, spiegeln leider das wahre Leben wider.
Somit ist der Schulalltag mit all seinen Höhen und Tiefen authentisch gezeichnet: einerseits Freundschaft und Spaß, aber auch Mobbing durch Mitschüler und unfaire Behandlung durch Lehrer. Und wie es durch Missverständnisse zu Streit und Zerwürfnis kommen kann.
Sehr schön ist das Happy End, das zeigt, dass man mit Ehrlichkeit, Authentizität und Zusammenhalt (fast) alles erreichen kann!
Auch Band 3 hat den wundervollen Kern: urteile nicht nach dem Äußeren (denn ein schönes Äußeres kann oft täuschen!!), wenn jemand anders aussieht und/oder sich anders verhält als du selbst; wichtig ist ein liebevoller Charakter, Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft. Weitere wichtige Themen sind Familie, Akzeptanz, Mut.
Die wunderschönen schwarzweiß Illustrationen peppen die Geschichte zusätzlich auf.
Fazit:
Eine fantasievolle, magische und humorvolle, leicht-schräge Geschichte über den Schulalltag von Kindern einer Familie, die mal so GANZ anders ist.









