Rezensionen von Lies_ein_Buch
Hof der Dornen, Band 1: The Rose Bargain
Ich finde ja dieses Crossover aus Bridgerton-Vibes und düsterer Fae-Fantasy richtig ansprechend. Hätte nicht gedacht, dass das für mich so ein Ding sein könnte, aber wow, ich mochte den Flair dieser Geschichte richtig gerne. Bin ja sowieso absoluter Fan von der Kunst des Werbens im alten England, den Bällen und gesellschaftlichen Gepflogenheiten, aber das ganze nochmal gepaart mit magischen Pakten und einer beängstigenden Fake-Queen ist einfach nochmal so viel spannender.
Auch das Love-Triangle aus Ivy, Bram und Emdet gefällt mir richtig gut. Man merkt sehrt gut, wie Ivy hin und her gerissen ist zwischen dem, was sie sich selbst erhofft und dem, was sie für das Beste für das weitere Schicksal ihrer Familie hält. Ich mochte auch die Nebenhandlung rund um Lydias Rose Bargain und fand es so spannend herauszufinden, was wohl dahintersteckt.
Am Erzählstil hat mir besonders gut gefallen, dass auch jedes der anderen Mädchen ein eigenes Kapitel bekommt. So lernt man sie etwas besser kennen, erfährt viel über ihre Motive und Lebensumstände und das ganze macht die Geschichte dreidimensionaler und authentischer. Neben den Interaktionen der Mädchen selbst waren für mich die seltsam grausamen Prüfungen der Queen mein absolutes Highlight. Das hat der Geschichte einen bedrohlichen touch gegeben und sie zusätzlich interessant gemacht.
Ich fand auch das Ende absolut gelungen und will jetzt unbedingt wissen, wie es weitergeht. Hat mir richtig gut gefallen.
Die Mitternachtsreise
Matt Haig schreibt einfach Bücher, die mich thematisch sehr ergreifen, trotzdem ist es immer so ein bisschen Glücksspiel, ob mir das jeweilige Buch aber auch tatsächlich gefällt. Hier war der Fall aber für mich sehr klar: habs geliebt. Für mich das bisher beste Buch von Matt Haig, ich hab ja so geheult beim Lesen.
Lieben wir nicht alle diese „Grumpy old man“-Geschichten?! Nur dass Wilbur eigentlich nicht grumpy ist, sondern jemand, der viel Schmerz erfahren, falsche Entscheidungen getroffen und das eigene Leben verpasst hat. Zudem ist Wilbur nun tot, gestorben einsam und allein. Am Ende seines Lebens geht er als Geist auf Reise durch die Schlüsselmomente seines Leben. Durch die Höhen und Tiefen, die Liebe und den Verlust.
Herzstück ist für mich die Liebe zu Maggie, die sich wie ein roter Faden durch die Geschichte zieht. Sie begleitet Wilbur von seiner Kindheit an und zu wissen, dass er am Ende ohne sie ist, hat mir schon von Beginn an das herz schwer gemacht. Die Geschichte ist einfach wundervoll in ihrer Tragik, einfach weil das Thema sehr nahbar und ergreifend ist. Natürlich geht es hier nicht nur um die Liebe, die mal ganz leicht und dann wieder unfassbar schwer ist, aber sie schwingt eben doch bei allen mit, was Wilbur erlebt.
Es hat mir gefallen, wie er seine Lebensetappen rekapituliert, sie in ein neues Licht gerückt sieht, bereut und begreift. Und dann wirkt die Geschichte ihre Magie. ich will hier nicht zu viel verraten, aber was Wilbur tut, ist absolut ergreifend. Die Geschichte birgt einiges an Lektionen, die jeder beherzigen sollte und gibt reichlich Denkanstöße, das eigene Verhalten mal zu hinterfragen. Denn was am Ende zählt ist, geliebt zu haben und geliebt worden zu sein.
Seamere College 1. Strange Familiars
Bin ehrlich, ich hab dem derartig süßen Cover eine eher seichte Storyline und außer einer Lovestory nicht allzu viel erwartet. Und bin absolut positiv überrascht worden. Die Mischung aus magischer Schule, magischen tierischen Geschöpfen und Academic Rivalry gefällt mir ja sowas von gut. Was mich aber unerwartet und eiskalt erwischt hat ist die „he falls first“ Komponente der Geschichte- wie süß will man bitte sein?
Den akademischen Wettstreit zwischen Gwendolynne und Harrisford fand ich einen guten Aufhänger für ihre Bekanntschaft. Ich mochte, wie sie sich gegenseitig aufziehen und reizen und dass gleichzeitig aber auch die Spannung zwischen ihnen greifbar ist. Die Entwicklung ihrer Beziehung wirkte natürlich, nicht übertrieben eilig, sondern auf angenehme Art herantastend. Wie eine erste Liebe eben sein sollte. fand ich total sympathisch.
Tatsächlich hätte ich gerne noch mehr von den Seelentieren und magischen Geschöpfen erlebt, das kam mir fast ein bisschen zu kurz in diesem Buch. Dafür bekommt die Geschichte aber eine unerwartet spannende Wendung, als sich Gwendolynne mit den energetischen Entladungen zu beschäftigen beginnt und deren Ursache auf den Grund geht. Hatte echt nicht erwartet, dass hier eine derartig düstere Story wartet, fand ich echt toll.
Und das Ende war ja mal absolut dramatisch, ich brauche jetzt bitte dringend Band 2. Fands klasse.
Pause
"Pause" war ein Buch, das meine Erwartungen mehr als nur übertroffen hat und mental Health, sowie das Zusammenspiel von körperlicher und geistiger Gesundheit in ein nachvollziehbares und ergreifendes Licht rückt. Ich fand das beklemmende Gefühl der Abhängigkeit, des vermeintlichen Scheiterns geradezu mit Händen greifbar. Wieso fällt es uns nur so schwer einzugestehen, dass wir Hilfe brauchen und diese auch aktiv einzufordern? Und wieso ist es überhaupt nötig, sie wortstark einzufordern?
Hanna tat mir richtig leid, gefangen zwischen der gleichgültigen Reaktion ihres Lebensgefährten, der vermutlich mit seinen eigenen Issues zu kämpfen hat, aber einfach auch keinen angemessenen Anteil an Hannas Lage nimmt, und der erdrückenden Stimmung zu Hause, wo sie mehr Eindringling als willkommen ist. Das Buch beleuchtet anschaulich, welch große Rolle auch unser Umfeld spielt, wenn es um Gesundheit und Wohlbefinden geht. Hanna hat keine verlässlichen Stützen in ihrem Leben, selbst ihre Freundin ist mehr auf Distanz als ein offenes Ohr. und irgendwie hat mich all das für Hanna betroffen und wütend gemacht. Denn Hanna geht es eben nicht gut. Hanna kann nicht mal eben mit ihrem Leben weitermachen und allen mal ein bisschen weniger zur Last fallen
Ich fand vor allem die Reaktion der Mutter unerwartet distanziert. Für mich ist generell die Beziehung zu den Eltern und zum Heimatort der Kindheit Schlüsselelement der Geschichte. Generell wirkt der Alltag der Familie sehr distanziert, Konflikte werden nicht ausgesprochen und ausgetragen und brodeln entsprechend unter Hannas Haut, die zunehmend zu entgleiten droht.
Ich finde die Autorin schafft hier starke Bilder und spricht Themen an, die bestimmt viele Leserinnen betreffen, Situationen die sie selbst erlebt haben und Gefühle, die sie nachempfinden können. Zurück bleibt für mich die Botschaft, dass ich nicht immer stark sein und alles allein schaffen muss, Kommunikation aber der Schlüssel ist. Die Geschichte hat mich bewegt und zum Nachdenken angeregt und ich kann sie sehr empfehlen
Die Rätsel meines Großvaters
Ich fand ja den ersten Band rund dieses ungewöhnliche, literarische Ermittler-Duo richtig toll und hab mich sehr gefreut, dass sie einen zweiten Band bekommen haben. Auch in diesem Buch ermitteln Großvater und Enkelin wieder in 5 verschiedenen Fällen. Die Ereignisse knüpfen dabei an den ersten Band an und der Leser trifft ein paar bekannte Figuren. Auch das Privatleben der Figuren wird kontinuierlich ausgebaut und weiterentwickelt, was mir gut gefällt. Mein größter Kritikpunkt ist vielleicht, dass es von der persönlichen Entwicklung von Kaede und ihren Freunde gerne mehr geben dürfte. Es stehen ganz klar die einzelnen Fälle im Vordergrund der Kapitel.
Die Fälle sind durchweg interessant und spannend angelegt- immer auch mit so einem Hauch Mystik untermalt und auch weiterhin das aktuelle Umfeld von Großvater und Enkelin betreffend. Finde diese Mischung aus bekannten und neuen Figuren gut angelegt, man startet nicht von null aber es kommt wieder frischer Wind rein. Ich fand vor allem die Weihnachtsmann-Geschichte sehr interessant und auch ergreifend.
Highlight sind aber schon die zwei letzten miteinander verknüpften Geschichten, die einen noch stärkeren persönlichen Bezug zu Kaede und ihrem Großvater haben. Das Wissen und die Auffassungsgabe des Großvaters sind wieder mal absolut spitzenmäßig und stehen im markanten Gegensatz zu der Krankheit, die ihm das Leben schwer macht.
ich habe das Buch wieder super gern gelesen und mag diese Aufteilung in einzelne Fälle sehr. Ich hab wieder so ein bisschen versucht "mitzurätseln", aber das ist hier quasi nicht möglich. Trotzdem habe ich die Fälle mit Spannung verfolgt und freue mich schon auf einen dritten Band.
Nebelbeute
ich liebe diese Reihe seit Band 1; nicht nur die Fälle selbst, die sich rund um die Gruppe 4 immer grausiger und erschreckender darstellen, sondern einfach auch das Team selbst. Ich mag diese Kombination und diesen Kontrast aus absolutem Schrecken der menschlichen Abgründe und dem sehr nahbaren, emotional greifbaren Team. Und auch dieser dritte Band war für mich wieder eine absolute Wucht und schlägt auch wieder einen schönen Bogen zu den anderen Büchern.
Was Benjamin Cors in meinen Augen hervorragend gelingt, das ist die Figurenentwicklung. Oft bleiben die Ermittler in Thrillern ja eher blass zurück, mehr Mittel zum Zweck als tatsächlicher Handlungsmittelpunkt. Aber bei Mila und ihrem Team habe ich jedes mal das Gefühl, greifbare Personen gezeichnet zu bekommen, die nicht nur Ermittler sind, sondern auch Freunde, Kollegen, Liebende, Menschen die Fehler machen, Angst haben und die Hoffnung nicht aufgeben. ich fand es fast schmerzlich Mila in diesem Buch so in Bedrängnis zu sehen- generell wurde die Jäger/Beute Thematik hier stark durch das gesamte Buch gezogen.
Den Fall selbst fand ich wieder wunderbar grausig. Eine gewisse Brutalität bleibt da ja nicht aus, aber Cors verzerrt es nicht ins obszöne um des schreckhaften Spektakels willen, sondern schafft mit wenig Einzelheiten Bilder, die aus Albträumen entstammen könnten. Mit gefällt das deutlich besser als extremes Blutvergießen und Gewaltverherrlichung. Die Szenen des Todes, die hier geschaffen werden, haben beinahe etwas künstlerisches. ich finde, allein das macht es irgendwie besonders.
Ich hab weider total mitgefiebert und hab einige der Wendungen absolut nicht kommen sehen. Benjamin Cors schafft es tatsächlich bisher mit jedem Buch, mich neu zu überraschen. Wollte es am lieben gar nciht aus der Hand legen. Klare Empfehlung von mir!
Verlorene Schäfchen
Ich liebe dieses auffällige Cover, das sofort den Blick auf sich zieht und finde es für das Buch auch ausgesprochen gut gewählt. Diese Geschichte ist ein bisschen skurril, einfach weil die Figuren derart überspitzt dargestellt werden, dass es kaum authentisch, aber dafür eine absolute Freude ist, sie in ihrem Chaos zu verfolgen. Wie kann man sein Leben und seine Familie derartig vor die Wand fahren?! Und dann noch diese Hauch von Skandal, der die Familie und die Ereignisse umweht- grandios.
Die Handlung selbst ist gar nicht mal so das, was dieses Buch ausmacht, getragen wird sie von all dem, was in den Figuren vorgeht, was sie bewegt. Ich liebe die vielfältigem, fast schon ausschweifenden Beschreibungen, die die alltägliche Banalität ausstaffieren, die Nonsense-Gespräche, das sich in Kleinigkeiten verlieren. Es ist einfach flirrend, teilweise ausufernd und damit ein Knüller an Witz, Drama, Gedankenchaos und dem ganz normalen Wahnsinn.
Nicht nur die Familie Flynn, sondern eigentlich der ganze Ort, die Kirchengemeinde und die Nachbarn, Kollegen und Freunde der Familie sind absolut charmant verzerrt. Ich habe das Buch als Hörbuch gehört und fand die Sprecherin absolut perfekt gewählt. Ich mochte ihre Erzählstimme richtig gern und sie schafft es perfekt, den Flair der Geschichte, die Egozentrik und Verzweiflung einzufangen. Habe ihr wirklich gerne zugehört.
Sunset Flip
Wrestling ist ja so ne Scheinwelt für sich- ich schau mir das auch super gerne an und bin jedes mal geflasht, wie Geschichten und Sport dort aufeinander prallen und eine mitreißende Welt erschaffen, in der man allzu schnell vergisst, dass nichts davon real ist.. Finds total faszinierend und dieser Roman gibt einen kleinen Blick hinter die Kulissen dieses Sports.
Auggie ist so ein bisschen ein tragischer Held, eine traurige Gestalt im Champion-Gürtel. Wirkt er am Anfang noch äußerst bodenständig und sympathisch, so driftet er immer mehr zum Antagonisten seiner eigenen Geschichte ab.
Auggie und Nadine sind in ihrer ganzen Banalität durchaus schillernde Gestalten. Ihr Lebensstil ist eigentlich eher bescheiden und geprägt von bodenständigen Träumen. Man wünscht sich durchaus Erfolg für sie, merkt aber schnell, dass diese Geschichte nur in Chaos und Zerstörung enden kann. Auggies Entgleiten ist erschreckend, die Grenzen zwischen seiner Realperson und seinem Alter Ego verschwimmen zunehmend. Erzählerisch ist das toll gemacht.
Für mich das einzige Manko an diesem Buch: Die zeitlich sprunghafte Erzählweise hat mich hier immer so ein bisschen rausgerissen, ich glaube chronologisch erzählt hätte mir die Geschichte noch einen Ticken besser gefallen. Ich musste manche Stellen doppelt lesen um sie in den richtigen Kontext zu setzen, wenn ich den Zeitsprung mal wieder überlesen hatte.
Was ich sehr gelungen fand, das war der Abschluss der Geschichte, der einen schönen Bogen schlägt. Das hat mich auch mit Auggie nochmal so ein bisschen versöhnt. Fands gut.
Lucifer Ascending – One Sinful Secret
Marie Niehoff lese ich richtig gerne und allein die Aufmachung dieses Buches ist absolut spektakulär. Ich finde nicht nur die Illustrationen, die einzelnen Parts voneinander treffen richtig schön, sondern das ganze Buch ist mit seinen perfekt gewählten Kapitelüberschriften, den schwarzen Seiten und dem Farbschnitt ein Gesamtkunstwerk.
Der Damonenjäger-Orden hat mich so ein bisschen an die Shadowhunters erinnert und ich fands fast ein bisschen schade, dass man vom Orden selbst und vor allem von Lils Ausbildung in Bannmagie so wenig erfährt. Die Fantasykomponente der Geschichte ist vor allem im ersten Part eher Nebenrauschen, wenig vertieft. Weil sich die Geschichte aber herrlich locker weg liest, fällt das gar nicht mal so auf. Bis zu Part 2 passiert ehrlichweise generell nicht wirklich viel.
Ich mochte die wechselnden Erzählperspektiven und fang vor allem Jupiter absolut nahbar und herzzerreißend angelegt. Seine tiefe Liebe zu Lilian ist greifbar, trägt den ersten Part der Geschichte geradezu.
Mit dem Auftauchen von Lucifer kommt so ein bisschen Schwung rein und ich finde ihn als Charakter tatsächlich ziemlich schillernd. Er stiehlt den anderen beiden in meinen Augen direkt auch so ein bisschen die Show.
Bei der Lovestory bin ich so ein bisschen zwiegespalten. Anfangs dachte ich noch „wow, was für ne Green Flag“ und wie natürlich sich diese Entwicklung angefühlt hat. Aber dann wurde es fast schon ein bisschen trutschig mit der Co-Abhängigkeit. Ich hab mir da so ein bisschen was anderes erwartet.
Die Geschichte hat Potential, hat mich aber nicht so 100% abgeholt.
The Artist
Ich finde ja, dass dieses wunderschöne Cover nicht so richtig zur Stimmung und zum Flair der Geschichte passt, die ich als deutlich angespannter, fast schon abgründig empfunden habe. Kunst bildet zwar den Mittelpunkt und Fokus der Geschichte, aber diese Kunst hat für mein Empfinden wenig Ruhigen/Ästhetisches. Viel mehr ist sie hier eine Art Mahnmal, wird zum Anstoßpunkt, gibt der Geschichte Kanten.
Was mir von Beginn an gut gefallen hat, das ist die Darstellung von Sylvette, ihrer Rolle im Haushalt von Tata, aber auch als Frau generell- im Dorf, in der Kunst, in der Wahrnehmung der sie umgebenden Männer. Anfangs denkt man noch, dass Sylvette eher Spielball als aktive Figur ist, das ändert sich aber gehörig, als Sylvette beginnt aktiv Raum und Beachtung einzufordern. Ich liebe diese Entwicklung innerhalb der Geschichte, denn sie erzeugt Reibung und emotionale Spannung.
Den Schreiblerling Joseph fand ich zwar etwas opportunistisch und für meinen Geschmack zu passiv, aber ok. Um ihn geht’s halt eigentlich auch nicht, vielmehr ist er Transportmedium für die Beziehung zwischen Tata und Sylvette.
Von Erzählstil her wirkt die Geschichte teil wie getrieben und dann in anderen Teilen wie in Watte gepackt- Tatas Hütte ein Kosmos für sich, mit ihm als Lichtgestalt und trotzdem bleibt vieles seinem Blick verborgen. Fands eine sehr einnehmende Erzählung.










